milch und zeit

Als Milena ins kalte Tageslicht tritt, die Arme noch blutend, aus dem düsteren Bau an der Georg-Bähr-Straße, an diesem Novembermorgen im Jahr 1939. Als Kafka seinen Morgenkaffee verschüttet, in seiner Villa auf den Klippen in Pacific Palisades, Anzug, Krawatte, ob der Zeitungsnotiz. Zitternd zieht er sein Tablet hervor, neuestes Modell, die Presse scheint desinteressiert, nennt keine Details. Thomas Mann schaut prüfend vom Nebentisch herüber, widmet sich wieder seiner Konversation.

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frühmorgens, 06:58

schläfrige seevögel auf dem wasserspiegel. auf den sandbänken staut sich die zeit. anna kocht kaffee, schiebt sich die nacht aus dem gesicht wie eine widerspenstige strähne. morgenschwimmen, am horizont dramatischer sonnenaufgang. erste papierschnipsel auf dem wasser, die fische schreiben schon.

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terminal b

[ terminal b ]

klackern.
lauschen.
kratzen.

lautsprecher, luftmolekül, durchsage. heckflossen zerschneiden die kalte luft. im untergrund rauschen die langen züge, von und zu, vorwärts, rückwärts [metapher einfügen, das gewöhnliche leben, selten genug], menschenströme, statistiken, bildschirm, kamera.

wie sie dich hierher brachten, wortlos.

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institut für aussichtsbetrachtung

Parker blickt auf Wolken. Die Raumstation manövriert geschickt durch Felsbrocken. Blick in eisige Abgründe, der Horizont kippt ins ferne Grün. Nebelfetzen, fade out.

Bruchlandung am Berg. Oben Restaurants, Souvenirshops, wie unangenehm autobiographisch darf man eigentlich schreiben, bevor. Parker inspiziert den raketengleichen Funkturm. Der Androide kauft sich ein Eis.

metaphase

franz lag am boden des swimmingpools. wie still es hier war, und wie blau. das licht brach sich in den sanften wellen, fiel in fäden durch das becken, die luftblasen schimmerten sanft. über sich sah er die wolken ziehen. auf sauerstoff hatte er verzichtet, dafür trug er eine musil-ausgabe im arm. in ruhe lesen, endlich.

f.k.

Er hatte sein Tagwerk getan, einen langen Abendspaziergang absolviert, war schließlich über den Entwürfen am Schreibtisch eingeschlafen. In einem Stapel sein Opus Magnum, druckreif, hundert Seiten Papier, wie sie die Welt noch nicht etc. pp. Im ersten Morgenlicht fuhr er sich durchs Haar, kochte Tee, zog Hut und Mantel an und schritt zur Tür. Erst als er bei Brod klingelte, fiel im auf, dass er an Stelle des namenlosen Süßgebäcks in seiner Hand das Manuskript zum Frühstück eingenommen hatte, an Salzbutter und Himbeerkonfitüre.

Kafkas Novelle „Das Franzbrötchen“ ging nie in Druck.