Castrop-Rauxel, 3:42

Das gleißende Sonnenlicht erlaubte keinen klaren Blick. Radioaktiver Staub in seinen Lungen. Die Erdkrümmung zu seinen Füßen. Seit Tagen waren sie unterwegs, in der flirrenden Einöde, am Horizont Kampfschiffe, Ekranoplans, versunkene Plattenbauten. Über ihnen wölbten Himmel, astralblau, Tagsterne, die Rückseite der Milchstraße. Der Androide trottete neben ihm; zwei Wochen noch, dann benötigte er frisches Americium 241, oder er würde ihn zurücklassen müssen. Er nahm den letzten Schluck Wasser.

Weiterlesen »

– nächtliches –

Die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Abendstille. Windgeräusche. Molekulares Rauschen. Wie wir so da liegen, stumm. Sternklare Nacht. Du sagst etwas, es geht im dünnen Substrat verloren, die Stratosphäre lauscht Deinen Gedanken. Geburt, Tod, blutiges Warten. Verwaltungsakte des Daseins.

Ich sage Liebe, Du sagst Arendt. Gib mir einen Kuss, ich geb Dir einen Halbsatz. Leben ist wie eine Trennlinie zwischen dem Sein und dem Existieren. Du redest Unsinn, ja, ich weiß. Schweigen unterm Himmelszelt.

Weiterlesen »

borders

die schrauben quietschen ein wenig. sie haben dich hierher gebracht, nach dem ersten versuch. trockene einöde, sand. winterstürme. wo die anderen sind, niemand weiß es zu sagen. die zeit ist ein zähflüssiges tier. die wände stumpf von blut.

Weiterlesen »

ghost story

wir sitzen in der u-bahn, in verschiedenen träumen, in zwei städten, die nicht existieren. alles ist verkehr, die gewölbe viel zu hoch, die pechgelb erleuchteten waggons fahren auf dem halben gleis, räder schleifen über das morsche holz, in deinem traum. die station geschwärzt vom ruß der jahrtausende, wie lange das alles schon in betrieb sein mag, und warum sitzen hier eigentlich keine passagiere außer uns. du schenkst uns kaffee aus der thermoskanne ein, entschuldigst dich leise, die infrastruktur in deinem traum sei fehlerhaft, und ich schaue mich um, schatten an den wänden, aber kein kaffeeautomat, nirgendwo, und mir tun die gespenster leid, in dieser abgelegenen station.

Weiterlesen »

07:18, leichter regen

kalter morgen. der wasserspiegel kräuselt, blaßgraues gewölk, splitter. henry sitzt an der schreibmaschine. wie üblich, zerfließt die druckerschwärze noch in der apparatur. zwei aale schwimmen vorbei. es war nicht einfach gewesen, als karpfen an die farbbänder zu kommen. die kritik lobte die schwer zu entziffernde lyrik, oder war es prosa, wer weiß das schon. einkaufslisten, vielleicht. zwiebeln, dill. butter. frühe tage, warten auf; die leise angst, von günter grass entdeckt zu werden, damals. dem meer ist alles blase.