metaphase [II]

die alten texte lesen, die zettel auf dem boden, unser meer | wir bauen ein papierschiff, und–

du stehst im türrahmen. der türrahmen steht in einer vergessenen stadt, ein eigentümliches leuchten umfängt die luft um dich. ich kann nicht fokussieren, deine silhoutte weicht den blicken aus. du tanzt einen schritt auf mich zu, dein kleid umspielt die beine, ein leises elektrisches summen füllt den raum. überhaupt, dieser raum. irgendetwas hat den brechungsindex verschoben, die luft breitet sich in wellen aus, dein kleid durchnässt vom sauerstoff. du trittst näher, ein leiser riss in der zeit, wie zerschnittenes papier. die andeutung eines lächelns, dann verschwindest du hinter der schnittkante. Weiterlesen „metaphase [II]“

#phantomschmerz

ich werde nicht mehr schreiben.

ich sitze hier und schreibe. der stift fliegt über das digitale papier, vorher habe ich die schublade geöffnet, worte fallen heraus. ich muss aufkehren, staubflusen greifen die zettel mit ihren kleinen ärmchen, beginnen zu lesen, tauschen worte gegen kekskrümel, erzählen ihren wollmäusen davon. in den baumkronen vögel, sie zwitschern ein digitales rauschen. nullen und einsen hängen an den ästen, ich nehme eine eins, sie passt in das geheimnissvolle schloss an der wand. eine geheimtür öffnet sich, und da steht – Weiterlesen „#phantomschmerz“

milch und zeit

Als Milena ins kalte Tageslicht tritt, die Arme noch blutend, aus dem düsteren Bau an der Georg-Bähr-Straße, an diesem Novembermorgen im Jahr 1939. Als Kafka seinen Morgenkaffee verschüttet, in seiner Villa auf den Klippen in Pacific Palisades, Anzug, Krawatte, ob der Zeitungsnotiz. Zitternd zieht er sein Tablet hervor, neuestes Modell, die Presse scheint desinteressiert, nennt keine Details. Thomas Mann schaut prüfend vom Nebentisch herüber, widmet sich wieder seiner Konversation.

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