Castrop-Rauxel, 3:42

Das gleißende Sonnenlicht erlaubte keinen klaren Blick. Radioaktiver Staub in seinen Lungen. Die Erdkrümmung zu seinen Füßen. Seit Tagen waren sie unterwegs, in der flirrenden Einöde, am Horizont Kampfschiffe, Ekranoplans, versunkene Plattenbauten. Über ihnen wölbten Himmel, astralblau, Tagsterne, die Rückseite der Milchstraße. Der Androide trottete neben ihm; zwei Wochen noch, dann benötigte er frisches Americium 241, oder er würde ihn zurücklassen müssen. Er nahm den letzten Schluck Wasser.

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Inneres Schalenbrennen. Sein Bewusstsein wandelte Wasserstoff zu Helium, blähte sich auf. Rotglühend nahm er den Nachthimmel ein, verschlang Planeten um Planeten. Nächtliche Kälte. Aufschrecken. Parker liegt in einem Eisenbett, die Hände fixiert. Schwach illuminieren Schläuche den Raum, leuchtende Flüssigkeit pumpt durch seinen Körper. Limitierter Blickwinkel, der Kopf liegt in einer Halterung. Er hört schwach das Röcheln der anderen Patienten. Draußen schreit in Vogel in die Nacht. Stille dehnt sich, füllt den Raum über ihm, zerläuft zu den Horizonten hin. Sein Bewusstsein dämmert weg.

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Die rauchenden Trümmer der Raumstation. Sie hatten das Notwendigste zusammengepackt und waren losmarschiert, den aufgehenden Sonnen entgegen, in der Hoffnung auf einen zivilisatorischen Außenposten. Letzte Vorräte, kein Feuer. Die frostigen Nächte verbrachten sie unter Aluminiumblechen, abwechselnd wachend. Die Sandläufer waren im Morgengrauen gekommen, aus dem Nichts, hatten F. und A. verschleppt. Ihre Spuren verloren sich in der flirrenden Unendlichkeit; Tage später, in der unendlichen Weite, fanden sie zwei Körper, an Gestellen aufgehangen, bleiche Knochen im kalten Morgenlicht, Augen, Hände und Zungen entfernt. Weiter, immer weiter.

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